Freitag, 2. Oktober 2009

Die Großen sind nicht mehr groß, und die Kleinen sind nicht mehr klein

Günter Bannas (FAZ) teilt in seiner Wahlanalyse indirekt meine These von der FDP als Mittelpartei und stellt dies ebenfalls in den Kontext einer tiefgreifenden Änderung des Parteiensystems und einer gesamteuropäischen Entwicklung:

Die Wähler und auch die am vergangenen Sonntag Daheimgebliebenen haben das bisherige deutsche Parteiensystem (zwei Große, ein paar Kleine) den Realitäten der kontinentaleuropäischen Nachbarstaaten angepasst. Die Großen sind nicht mehr groß, und die Kleinen sind nicht mehr klein. Der Trend könnte sich fortsetzen.

Kommentare:

  1. Der Trend könnte sich alsbald fortsetzen, wenn nämlich die CDU geschickt agiert, um sich die 1,1 Mio Wechselwähler zur FDP zurück zu holen. Wenn dann noch einige der enttäuschten SPD Wähler, die diesmal FDP gewählt haben, ihre Sehnsucht nach einer an der Mitte orientierten, volksparteiähnlichen Großpartei durch Wahl der CDU entscheiden, dann sind wir mit der FDP schnell wieder bei 10 - 11%. Nach einer Großen Koalition schrumpfen die großen Parteien immer und die Kleinen gewinnen hinzu. Viele Themen, für die die kleinen gewählt wurden, sind eher als Vertrauensvorschuß zu sehen, gegenüber den bisherigen schlechten Lösungen. Daß hinter diesem Vertrauensvorschuß auch eine politische Überzeugung steht, daß man sich nun mittefristig an diese Partei bindet, das wage ich zu bezweifeln.

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  2. Natürlich gibt es solche "Gesetzmäßigkeiten". Ebenso wie die Umfragewerte für Regierende in der Mitte oft schlecht sind. Oder Wahlen "zwischendrin" oft "Protestwahlen" sind. Natürlich kann man auch ganz schnell bei 10-11 % sein.

    Zweifelsohne gibt es aber auch 2 ernstzunehmende Entwicklungen:
    - ehemalige "Hochburgen" großer Parteien sind heute erheblich niedriger gebaut
    - es entstehen seit den 80er Jahren neue Parteien (Grüne, Linke), die sich etablieren; auch die Union schafft es nicht mehr Unzufriedene an sich zu binden (beachtliche Erfolge der extremen Rechten in einigen Ländern, immer stärkere Freie Wähler kommunal, Wachstum der FDP in den letzten Jahren).
    Dass dies auch mit "Regierungsmalus" in einer großen Koalition zusammenhängt, ist sicherlich der richtig. Aber ich bin mir sicher, dass es mehr ist. Und zumindest die Chance besteht, auch in einer solchen Koalition zu wachsen wie es VVD selbst in der lila Koalition in Holland zunächst geschafft (und sich bis heute auf einem recht hohen Niveau stabilisiert hat). Meine These: Die klassischen Milieus der Großparteien lösten sich in den Nachbarstaaten schlicht früher auf als bei uns.

    Freilich bedeutet der Trend zum "Wechselwähler" auch: Wer sich hoch hinaus bewegt, kann auch tief fallen. Bewegte sich die FDP früher zwischen 3 und 10 Prozent, wird sie sich künftig zwischen 7 ;-) und 20 Prozent bewegen. Die Streuung der Wahlergebnisse wird sich also erhöhen.

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