Sonntag, 17. Mai 2009

Schnarris Triumph - ein Tag zum gelb unterstreichen?

Vor wenigen Tagen erreichte mich eine e-Mail des Landesverbandes mit einer "Kungelliste". Darauf waren Namen aller bekannten Kandidaten für den Bundesvorstand vermerkt; die einen gelb markiert und die anderen nicht. Ich verrate damit kein Kungelgeheimnis: Die gelb markierten gehörten zur so genannten "Südschiene". Die Bitte des zur "Südschiene" gehörenden Landesverbandes: Alle Kandidaten der Südschiene wählen.

Da Guido Westerwelle aus Nordrhein-Westfalen kommt, war also etwa Guido nicht gelb markiert. In meinem Twitter-Channel spottete ich daher, kein Wunder, dass Guido keine 100 % erzielt hat, er war ja in Hessen nicht gelb markiert. Das war natürlich nicht ernst gemeint. Zumal unser Landesvorsitzender mündlich nachgeschoben hat, dass Guido wie alle anderen Präsidiumsmitglieder bitte zu wählen sind und es in Hessen sowieso fast genauso viele Guido-Fans gibt wie anderswo. Davon abgesehen ist der gewöhnliche Liberale ja auch Individualist. Vorschläge des Landesverbandes sind da mal, ich drücke mich mal so aus, etwas was wir in unserem Geiste bei unserer Abwägungsentscheidung positiv miterwägen und in unserem Herzen bewegen.

Das erstaunliche für mich aber ist immer noch die die gelbe Markierung über einem Namen: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Das ist zwar in der Südschinenlogik keine Überraschung. Denn Bayern ist unumstritten ein Land des Südens. Zudem gehört sie mit Jörg-Uwe als bayrische Landesvorsitzende auch zu den Wahlgewinnern. Und selbst Hans-Joachim Otto, sicher kein "Freiburger", wie die Bürgerrechtler um Schnarri sich bezeichnen, nannte sie - fast emphatisch - im Bezirksvorstand eine "geschätzte Kollegin" und "wohl eine der fleißigsten Bundestagsabgeordneten". Trotzdem ist dieser virtuelle Marker eine kleine Sensation. Auch weil die hessischen Delegierten ihn nicht einmal kritisch kommentierten.

Es dürfte rund 10 Jahre her sein. Da forderten die hessischen Großkopferten, ich schreibe jetzt nicht, wer die Scharfmacher waren, "Schnarre" (Kritikerjargon) doch bitte schön nicht zu wählen. Bei einer offenen Probeabstimmung unter den hessischen Bundesdelegierten "trauten" sich gerade mal 2 Delegierte - ich war dabei... - zuzugeben, dass sie die liberale Bürgerrechtsikone wählen werden. Als ich danach beim geheimen Wahlgang bei den Hessen stand, sah das dann freilich schon ein wenig anders aus. Allein in meiner näheren Umgebung raunten sich mehrere zu, doch Schnarri zu kreuzen - eigentlich damals ein echtes No Go in Hessen.

Schnarri war seinerzeit sowas wie die Führerin des Reich des Bösen im Liberalismus - für die hessische FDP. Hatte ich noch recht junger Liberaler bei ihrem Rücktritt als Ministerin wegen ihrer Niederlage beim Mitgliederentscheid zum Lauschangriff auf meinen Anrufbeantworter "Sie ist weg. Und ich bin so allein, allein" (fanta4) gespielt, war dieser Tag für einen Großteil der Hessen- Liberalen, ein Tag zum blau-gelb unterstreichen. In so genannten "kleinen Wanzenbaletts" (das "große" bestand aus Schnarri und van Essen) waren zuvor ein FDP-Justizpolitiker namens Jörg-Uwe Hahn und der Autor dieses Artikels durch Hessen gereist und hatten streitig über den Lauschangriff podiumsdiskutiert. Ich war nicht etwa deshalb der Counterpart Jörg-Uwes, weil ich eine so bedeutende Stellung im Hessischen Landesverband innegehabt hätte oder gar ein profilierter Justizpolitiker gewesen wäre. Ich war einfach der einzige D-Promi, der diese exotische Position vertrat. A-, B- oder C-Promis fielen bei dem Thema in Hessen auf Schnarris Seite aus.

Nun hat der Bundesparteitag zum zweiten Mal in 5 Jahren einen Antrag beschlossen, der sich gegen den Großen Lauschangriff ausspricht - sogar mit deutlicher Mehrheit. Ich bin nun der Meinung, dass dieses damals von den Befürwortern als "elektronische Raumüberwachung Schwerstkrimineller" bezeichnete Instrument trotzdem auch von der FDP wohl nicht mehr abgeschafft werden wird. Und ich weiß auch nicht, ob das wirklich nötig ist. Ich gebe aber zu: Es ist eine klammheimliche Freude, wenn der Bundesparteitag "die Abschaffung des Lauschangriffs" beschließt. Ich bin nicht mehr allein! Nicht einmal in Hessen. Ein Tag zum gelb unterstreichen.

Sonntag, 10. Mai 2009

Immer ein bisschen Guido!

Folgendes Interview zum Stil im Parlament habe ich letztens gelesen

WESTERWELLE: Es ist schlechterdings in meinem Innersten nicht vorgesehen, dass ich im Bundestag mit respektloser Kleidung auftrete. Schlampiges Äußeres würde die große Ehre, unser Volk vertreten zu dürfen, schmälern. Ich wundere mich gelegentlich wie sich Kollegen ans Rednerpult trauen. Wollen die auf einer Studentenparty eine Runde schmeißen oder eine Rede im Hohen Haus halten? Ich weiß: Bücher soll man nicht nach ihrem Einband bewerten. Aber: Umgangsformen, Höflichkeit, Respekt und Manieren sind mir wichtig.

Frage: Dann Duzen Sie andere wohl auch nicht so schnell?

Sky du Mont: Nein, mich stört es auch, wenn man in Deutschland vom Kneipier bis zum Politiker den Nachnahmen ohne Herr oder Frau nennt.

WESTERWELLE: Obwohl ich Angela Merkel privat duze, ist sie im Plenum für mich Frau Bundeskanzlerin. Da geht es um das Amt, um die Würde, und nicht um private Thekengespräche.

Im Offenbacher Stadtparlament....

hat längst die Schluffi- und DUZ-Kultur-Einzug gehalten. Auch wenn ich nicht soweit gehen würde, dass in meinem Innersten nicht vorgesehen ist, im Stadtparlament mit "respektloser Kleidung auftreten". In dieser Hinscht waren zwar der Vorreiter die Grünen. Aber die Nachahmer u.a. junge Liberale...., u.a. der Autor dieses Artikels, der aber mittlerweile von diesen Jugendsünden weitgehend sich befreit hat;-) Ein bisschen Guido ist also in mir. Allerdings ist das mit dem Begriff der "respektlosen Kleidung" so eine Sache. Meint man damit Anzug und Schlips? Oder dass es nach Kriterien eines Modemagazins gut aussieht? Zumindest nach letzerem Kriterium würde ein "Style-Check" sicherlich ein verheerendes Ergebnis mit sich bringen....

Die Duz-Kultur hingegen haben weniger die Grünen als vielmehr Gerhard Grandke eingeführt. In dieser Hinschicht war ich nie Gerhard, sondern immer schon Guido. Doch die "alte Schule" ist mittlerweile eine Minderheit. Wobei ich zugebe, dass es schon ein wenig bemüht ist, gute Freunde (auch die gibt es im Parlament...) plötzlich mit "Sie" anzusprechen. Nur einmal rutschte mir in einer Parlaments-Debatte die "liebe Heike" (Habermann) raus. Als sich die Koalitonäre mit nur nett garnierten Worten im Parlament selbst zerlegten. Prompt nahm dies die FR zum Anlass über die "liebe Heike, "den lieben Peter" und den "lieben Ollie" zu spotten.

In der vorletzten Sitzung nun beschrieb die OP wie der Oberbürgermeister Horst Schneider vom "Ollie" spricht und der wiederum vom "Herrn Oberbürgermeister". Was so ungefähr das Verhältnis von Kapitän Ballack und Prinz Poldi ausdrücke. Mögen würden sich die beiden wahrscheinlich genausowenig...

Ich bin in der Tat der Meinung, dass es die Öffentlichkeit nicht interessiert, ob "der Herr Oberbürgermeister und ich" uns nun mögen oder nicht. Tatsache ist, dass ich vieles an seiner Politik nicht mag. Trotzdem verdient er natürlich den Respekt des Amtes. Auch da bin ich wieder Guido. Wie immer auch meine Thekengespräche mit "dem Herrn Oberbürgermeister" aussehen.

"Jamaika bleibt in Karibik"

Grünen-Chefin Claudia Roth: "Jamaika bleibt in Karibik".

Tarek Al-Wazir bleibt bekanntlich in Wiesbaden.

Und die Grünen in Hessen und Deutschland in der Opposition.

Liberales Frühstück mit Wolf Klinz

Fotos zur Veranstaltung finden Sie hier.
Wir bedanken uns wieder bei 30 Teilnehmern und dem Best Western Macrander für die gute Verpflegung + Gastfreundlichkeit!

PS: Und hier noch ein Foto FDP-Obertshausen.

Freitag, 3. April 2009

Kreativer Oberbürgermeister als "Weltökonom"

Der Offenbach Oberbürgermeister hat bestimmte Qualitäten. Die werden sogar in der Öffentlichkeit oft unterschätzt. Er brennt für Offenbach. Er hat in stadtplanerischen Fragen durchaus interessante Vorstellungen: Und er ist ein sehr kreativer Kopf.

Wenn es um haushaltspolitische Fragen geht, ist er freilich oft nicht gut beraten. Haushaltsdisziplin ist für ihn - zumindest wenn es um investive Maßnahmen geht - ein Fremdwort.

Um seinen Ausgabekurs und seinen Bruch mit dem Denkmuster des Modell Offenbach zu rechtfertigen, wird aus dem Offenbacher Oberbürgermeister dann schnell ein Weltökonom. Vor einem Monat redete er im Stadtparlament die Problematik der Offenbacher Schuldensituation mit dem Hinweis der Problematik der Derivate und der Krise des Weltwirtschaftssystem klein. Gestern gab er endgültig seinen Abschied vom Modell Offenbach zu Protokoll und rechtfertige von ihm gewünschte Mehrausgaben mit der Notwendigkeit in den nächsten Jahren mit hohen Staatsausgaben die Binnennachfrage zu stärken.

Ohne nochmal meine grundsätzliche Kritik am Keysianismus zu wiederholen, ist die Aussicht in Offenbach künftig noch stärker "in die Schulden" zu gehen, um die Ökonomie wieder anzuheizen, nicht nur für Liberale wenig verheißungsvoll.

Die gespenstisch anmutenden Positionen des OB mögen als irrelevant erscheinen, weil der OB ja weder Offenbacher Kämmerer noch Bundeswirtschaftsminister ist. Das Signal, das von ihnen an die Offenbacher Bürgerschaft und Verwaltung ausgeht ist jedoch dramatisch. Die einen Bürger und "Verwalter" wird es motivieren, mit neuen Ausgabewünschen an die Politik heran zu treten. Die anderen werden das ökonomische Irrlichtern des OB als Beleg dafür nehmen, dass "die im Rathaus" eh abgedreht sind. Positiv ist beides nicht. Und bei potenziellen Investoren wird der OB und "Chefwirtschaftsförderer" mit seinen denkwürdigen ökonomischen Thesen auch nicht gerade als Garant einer wirtschaftsfreundlichen Stadt reüssieren.

Vielleicht könnte der OB seine unbestrittene Kreativität mal zugunsten von Haushaltssanierung einsetzen? Denn Offenbach wird mittelfristig - egal wieviel Konjunktuprogramme da noch kommen mögen - kein Geld für überbordende Ausgabewünsche haben.

PS: Der OP-Artikel zur Debatte

Counterstrike - Bürgermeisterin überlegte Veranstaltung abzusagen

Ich bin auch kein Fan von Baller-Spielen. Wenn sich ein Spieler in so was reinsteigert, quasi süchtig nach solchen Spielen wird, kann ich mir durchaus vorstellen, dass bei ihm dann irgendwann Spiel und Realität verschwimmen. Andererseits: Wie viele Ballerspieler gibt es und wie viele ballern dann in der Realität?

Ich sehe eher ein Problem im übertriebenen Konsum elektronischer Medien und von übertriebenem Spielekonsum insgesamt. Wer sich in Baller- und andere Spiele flüchtet, kommt sicher eher auf dumme Gedanken.

Es ist schon bedauerlich, dass die Beschäftigung mit anspruchsvolleren Texten abnimmt, dass Lesekompetenz abnimmt. Gerade in den so genannten "bildungsfernen" Schichten. Hier muss die Bildungspolitik einsetzen. Denn heute bekommen junge Menschen oft eher einen Gameboy in die Hand gedrückt als ein gutes Buch.

Die Überlegung der Offenbacher Bürgermeisterin Birgit Simon, den Veranstaltern eines Ballerspiel-Wettkampfs in Offenbacher Stadthalle den Vertrag zu kündigen, ist für mich nicht zielführend. Richtig ist es, dass den Vorschriften des Jugendschutzes genüge geleistet werden muss. Das ist aber ein Vollzugsdefizit. Neue Gesetze und neue Verbote brauchen wir ebenso wenig wie Absage solcher Veranstaltungen. Dann müsste man schon zum Schluss kommen, so ein Spiel insgesamt verbieten. Sonst ist eine Absage einer solchen Veranstaltung nicht zu rechtfertigen.

Dann doch lieber dieser Idee folgen

PS Und mal das hier lesen!

Dienstag, 3. März 2009

Merkwürdige Althaus-Diskussion

Der Unfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus, bei dem eine Skifahrerin ums Leben kam, beschäftigt weiter die Medien. Offenbar trifft ihn zumindest eine Mitschuld. Vielleicht war er auch Schuld. Damit muss Althaus nunmehr leben. Immerhin darf er weiter leben.

Ich komme gerade selbst aus dem Skiurlaub zurück. Auf den oft vollen Pisten kommt es häufiger zu Beinahe-Zusammenstößen, bedingt durch zu schnelles Fahren oder einfach - wie sagt man doch - menschliches Versagen. Auch deshalb fahre ich lieber "Off-Pist", was freilich andere Gefahren (Gletscherspalten, Lawinen, Abrisse) birgt. Vor wenigen Tagen wäre ich auf einer fast menschenleeren, breiten Piste fast mit jemandem zusammengestoßen, der ebenso wie ich recht geradeaus nach unten fuhr. Während er jedoch seine Richtung nach rechts carvend schnell änderte, änderte ich sie schnell nach links. Kurz vor dem Zusammenprall sahen wir uns und konnten gerade noch umsteuern.

Wir wissen nicht genau, was sich bei Althaus seinerzeit in der Steiermark abspielte, wie sich möglicherweise in Sekundenbruchteilen die Szenerie vor dem Unfall änderte. Ein Fahrfehler von Althaus ist recht wahrscheinlich. Aber ändert das was an seiner Eignung als Ministerpräsident?

1983 verursachte der betrunkene CSU-Generalsekretär Otto Wiesheu einen Autounfall. Dabei starb eine Person. Das Amtsgericht München verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten auf Bewährung. Wiesheu trat als Generalsekretär zurück, wurde aber später Bayrischer Wirtschaftsminister und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Hätte Althaus - ohne Alkoholeinfluss - "nur" einen "Autounfall mit Todesfolge" verursacht, wäre es für die Medien lediglich ein tragisches Ereignis gewesen. Die ungewöhnliche Szenerie "Politiker-Skiunfall" lässt manche Medien überzogene Fragen stellen, unsachgemäße Formulierungen wählen ("Geisterfahrer" - das passiert beim Skifahren leichter als auf der Autobahn...) und Konsequenzen fordern. Es bleibt ein Fahrfehler wie er jedem passieren kann. Beim Skifahren oder im Auto.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Volkspartei? Volkspartei!

Das Wort „Volkspartei“ verwenden manche Liberale nur mit Nasenrümpfen, gleichsam als Inbegriff für eine Partei, die Gefälligkeitspolitik gegenüber allem und jenen betreibt. Das ist aber politologisch fragwürdig und entspricht auch nicht dem Empfinden des Otto-Normal-Bürgers. Der Begriff meint vielmehr die Abgrenzung von einer Klassen-, Klientel-, oder Honoratiorenpartei. Schon deshalb sollte die FDP den Begriff für sich reklamieren und nicht den anderen Parteien überlassen. Eine Volkspartei wendet sich an das ganze Volk. Parteien, die allen alles versprechen, sind hingegen keine Volksparteien, sondern Volksverdummungsparteien.

Das Bekenntnis zum Anspruch, Volkspartei sein zu wollen, ist gerade angesichts der guten Umfragewerte in den letzten Wochen von Bedeutung. Die FDP hat nur dann die Chance, diese Werte zu halten, auch bei Wahlen zu erreichen oder gar zu verbessern, wenn sie sich als Partei mit einer klaren Geisteshaltung positioniert und sich nicht als Interessenspartei für wenige fühlt. Wenn der Liberalismus Zukunft haben und nicht nur eine Scheinblüte erleben will, müssen auch jene für ihn gewonnen werden, die dem Gedankengut einiges, der FDP aber wenig abgewinnen konnten. Dazu braucht die FDP eine mentale Öffnung. Vielen in der FDP fällt das schwer. Sie fühlen sich beim Sektkelchschwenken auf dem IHK-Empfang merklich wohler als bei der Pokalüberreichung beim Kleintierzuchtverein. Sie fremdeln mit dem Gedanken, die kuschelige Nische geneigter Multiplikatoren zu verlassen. Sie wollen nicht Volkspartei sein, weil sie besser sein wollen als das Volk. Nicht immer hält dieser hehre Anspruch jener jedoch der manchmal recht mediokren Anmutung stand.

Die Bindungswirkung klassischer sozialer Milieus, das Klassen- und Schichtenbewusstsein nehmen dramatisch ab – damit einhergehend auch die Parteibindung von der Wiege bis zu Bahre. Darin liegt eine Chance für eine Wachstumsstrategie der Liberalen. Die Grundidee des „Projekts 18“ – Öffnung und Eigenständigkeit – war daher schon damals richtig. Sie ging in den Wirren der Überdrehungen und Eitelkeiten im Spendensumpf unter. Sie ist Voraussetzung für Wachstum. Und damit dafür, wirklich nach außen hin als „eigenes Lager“ und nicht nur als potenzieller Koalitionspartner wahrgenommen werden.

(Beitrag für Freizeit - Mitgliedermagazin der JuLis Waldeck-Frankenberg)

Danke für Ihr Vertrauen

Bedanke mich für die Wiederwahl in die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Offenbach am Main. Gestern war dort eine Veranstaltung mit Prof. Falter: Er forderte eine echte Mischung aus Mehrheitswahlrecht und Verhältniswahlrecht, damit Entscheidungen einfacher werden. Meine Meinung: wenn dann gleich Mehrheitswahlrecht. Nur: überlebt das die SPD? ;-) Abstand FDP-SPD laut Umfrage 4 %...

Dienstag, 17. Februar 2009

KJB-Sitzungen 3 und 4 in 2009? Gut. Besser....

Am Wochenende war wie jedes Jahr in den letzten gefühlten 100 Jahren Gesser-Time im Bieberer Pfarrheim. Gut. Besser. Gesser. Doch war der diesjährige Mann in der Mitte des Elferrates zwar ähnlich behaart, wenn man diesen Euphemismus mal nutzen darf, dafür aber deutlich jünger und wahrscheinlich auch 2g leichter als jene Urgestalt der IGBIF, die ich in den letzten 10 Jahren mit ihrer ganz eigenen, unnachahmlichen Art präsidieren und Raketen steigen lassen sah. Hatte schon in den letzten Jahren eine sanfte Verjüngung in das Programm der IGBIF Einzug gehalten, ist mit diesem Jahr der Generationenwechsel geschafft. Nur der Umstand, dass nicht der ganze Saal die Songs der 5Jahreszeiten mitgrölen konnte, dafür aber in alten Party-Schlagern durchaus textsicher war, ließ erkennen, dass es sich nicht um die Sitzungen 3 und 4 der KJB handelte. Ob die Grande Dame der Bieberer Fassnacht Hanne Feind oder die freche Jenny Bauer, die Hanne Feind des Jahres 2050, ob Protokoll von Klaus-Peter Keller mit bissigen Bemerkungen über Guido oder Markus Gesser mit bissigen Bemerkungen über die SPD - alles kam irgendwie jung daher - frei nach dem Motto: es gibt keine alten oder jungen, sondern nur gute und schlechte Fassnachtssitzungen. Die 2009er war eine gute. Sogar seine sehr gute. Da mag man auch noch so sehr einige der Protagonisten an vorderster Front vermissen und hoffen, dass sie beim nächsten Mal wieder dabei sind. Mit den 2009er Sitzungen hat die IGBIF gezeigt, dass sie Zukunft hat. Und da waren sich die Beteiligten in den vergangenen Jahren nicht immer so sicher wie die Zuschauer, die sich angesichts der unablässlich sprudelnden Quelle des Nachwuchs der KJB eigentlich nie vorstellen konnten, dass sich kein Nachwuchs mehr finden soll. Die Party geht weiter.

Für den krönenden Abschluss sorgten die erwähnten 5Jahreszeiten, die erstmals nicht nur den richtigen Ton trafen, sondern (ausgerechnet Juso Hajo Sbick) - zumindest einmal - den richtigen Text...: "wir glauben an den lieben Gott und wählen FDP". Des mer des noch ma erlebbe dürfe! Für dieses gelungene Product Placement hat die KJB natürlich eine kleine Spende verdient;-)

Donnerstag, 12. Februar 2009

Furcht vor der neuen Mittelpartei

Die FDP sorgt jetzt laut n-tv also mit ihren ach so neuen Forderungen in der Gesundheitspolitik für Streit. Alle Parteien fallen über die FDP her. Die Furcht der anderen vor der neuen Mittelpartei FDP muss groß sein.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Die Chimäre vom Stammwähler

n-tv schreibt: "Nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllner geht das Erstarken der FDP vor allem zu Lasten der Union. Der Stammwähleranteil der FDP sei mit etwa sechs Prozent nach wie vor relativ gering. Derzeit finde ein Austausch im bürgerlichen Lager statt: 37 Prozent der Bürger, die derzeit FDP wählen wollten, hätten früher die Union gewählt. Sie vermissen laut Güllner "ein bisschen die Identität" sowie den "klaren Kurs" der Union und sähen ihre Interessen eher bei der FDP aufgehoben."

Meine Meinung: Die FDP-Stammwählerschaft liegt sicher nicht bei 18 %. Die der SPD aber etwa auch mittlerweile eher bei weniger als 18 %... Die Sache ist aber doch gerade: den "Stammwähler" der 50er Jahre gibt es so nicht mehr. Zumindest nicht mehr in dem Maße. Das haben übrigens alle "modernen Gesellschaften" mit ihren sich auflösenden Strukturen und dem auflösenden Schichtbewusstsein gemein. Ein Blick in die Niederlande, nach Italien oder nach Österreich - Parteiensysteme, mit denen mich mich eingehender beschäftigt habe - zeigen dies sehr eindrücklich. Krisen der Großen und eine gute Performance der Kleinen (charismatischer Parteichef, klares Image) können das Parteiensystem ziemlich durcheinanderbringen. Die Wähler orientieren sich angesichts der (im Vergleich zu früher) relativen Übereinstimmung der Parteiprogramme an den Parteien, denen sie die meiste Problemlösungskompetenz oder Problembewusstsein zubilligen. Den Stammwähler gleichsam als Erbhof gibt es da nicht mehr. Das ist freilich auch eine Warnung an liberale Euphoriker: es kann auch ganz schnell bergab gehen. Aber jetzt freuen wir uns erstmal über die 18.

Umfrage des Tages: Forsa taxiert FDP auf 18%



Bilder sagen mehr als 1000 Worte :-)
Wer doch so viel lesen will:
Warum die FDP Mittelpartei werden kann (aus Januar 2009)

Montag, 9. Februar 2009

Der Papst, die Pius-Brüder und Freimaurer

Die Offenbacher Freimauerloge Charlotte zur Treue bezeichnet sich selbst als ältester Sozialverein der Stadt. Gestern lud sie zu ihrer Neujahrstafel unter der Regie ihres "Meisters vom Stuhl", Herbert Füller. Die Freimaurerei umweht der Mythos der Geheimbündlerei. Ich sehe dort mehr den Geist der Aufklärung wehen, selbst wenn einem die Riten auf den ersten Blick befremdlich oder ungewohnt erscheinen mögen. Ihre Neujahrsempfänge in Offenbach sind ein Zeichen der Offenheit. Auf ihrer Website laden sie die Besucher der Site ein, zu einem Kennenlern-Treff zu kommen. Von Geheimbund keine Spur...

Die vom Vatikan wieder in die Gemeinschaft aufgenommenen "Pius-Brüder" gelten als leidenschaftliche Gegner der Freimauererei. Sie kämpfen die Schlachten vergangener Jahrhunderte. Ist es Strategie, Zufall oder Versehen, dass der Vatikan ausgerechnet die Gegner der Aufklärung hofiert?

Das KJB-Gen: So treten Sie richtig zurück, Herr Glos!

So einfach ist das Ganze: Ich schreibe an den guten Paul-Gerhard Weiß, meinen Kreisvorsitzenden, einen Brief. "Lieber Paul-Gerhard, 2 schwierige Wahlkämpfe liegen vor uns. Zur Glaubwürdigkeit gehört auch, vor der Wahl genau zu wissen, welche Personen nach der Wahl für führende Ämter zur Verfügung stehen. Da ich jetzt auf die 50 zugehe, entspricht es nicht meiner Lebensplanung länger als bis 2011 Vorsitzender der FDP-Fraktion sein. Ich bitte Dich, mich daher von meinen Aufgaben als Fraktionsvorsitzender zu entbinden. Dein Oliver Stirböck". Er kann mich zwar weder entbinden, noch binden. Aber wenn Paul-Gerhard die Entbindung ablehnt, weiß ich ganz sicher, dass dann schon bald jemand anders an meiner Stelle sitzt. So stellt sich der geneigte Bürger und Leser dieser Zeilen wahrscheinlich Politik vor. Denn so spielt die Bundesregierung sie uns gerade vor.

Da lobe ich mir doch lieber wie Rücktritte in Bieber zelebriert werden. Vorgestern Nacht etwa. Bei der Fassnachtssitzung der KJB. Nun gut, es war keine wirkliche Überraschung. Der langjährige "Präsi" Martin Jäger beendete seine Amtszeit - übrigens nicht ohne nochmal auszuteilen - diesmal traf es nicht mich, sondern die Lieblingsgegner der Fassnachter: "Seit vielen Jahren kommt Oliver Stirböck mit einigen Freunden zur Sitzung und einmal habe ich gesagt, die FDP hat hier bei der Sitzung mehr Sitze als in jedem deutschen Parlament. Das hat sich jetzt ja grundlegend geändert. In wenigen Jahren darf ich das wohl über die SPD sagen". Sozialdemokraten haben es nicht leicht bei der Bieberer Fassnacht. Auch dann nicht, wenn sie mit Stephan Färber immerhin einen ehemaligen KJB-Präsi stellen. Ob mit Spitze an die SPD oder ohne Spitze: der orkanartige Beifall, nachdem KJB-Sprecherin Josepha Götz sich bei Martin bedankte, war verdienter Lohn für 4 harte Jahre Arbeit und ein großartiges Präsidium. Auch Juso Hajo Sbick vom Kjb-Leitungsteam wird natürlich gelacht und geklatscht haben.

Meine Berührungspunkte mit der KJB in der Jugend waren eher gering. Ich dürfte 16 gewesen sein als mein Schulfreund, der spätere "Großkreuzträger" der KJB, Norbert Wameling, mich mal bat, meine Stereoanlage zum sonntäglichen Tanztee (?) mitzubringen. Die Anlage hielt keine 5 Minuten durch und ich ging besorgt nachhause.

Wahrscheinlich rund 15 Jahre später besuchte ich erstmals die KJB-Fassnachtssitzung, neugierg - aber ohne größere Erwartungen. Wer aber die Begeisterung sieht, mit der rund 50 Aktive Jahr für Jahr eine Sitzung auf die Beine stellen, bei der sie Fassnacht, Party und die KJB geradezu zelebrieren und damit 2 mal den Saal des Pfarrheims füllen, wird zweifelsohne mitgerissen und zur Erkenntnis kommen in seiner Jugend vielleicht doch etwas verpasst zu haben;-) Zumal der von der Stadt an die KJB verliehene Ferdinand-Kallab-Preis verrät, dass ihr Engagement noch weit über die Sitzungen hinaus geht. Andernorts ist Fassnacht manchmal eine fast ernst, sogar bierernst daherkommende Veranstaltung - die Fassnachtssitzung der KJB versprüht hingegen Leichtigkeit, Frische und Freunde - wie es vielleicht nur eine Jugendsitzung kann.

Nur eine Jugendsitzung? Kommenden Samstag ist die Sitzung der IgBiF, das ist so was wie die FDP der Jungen Liberalen. Die Seniorenorganisation. Ebenso wie bei der FDP in Hessen ist dort Generationenwechsel angesagt: So treten nach ihrem letztjährigen KJB-Abschied erstmals die 5 Jahreszeiten wieder auf. Und Markus Gesser erlebt 5 Jahre nach seinem Kjb-Präsi-Rücktritt seine Reinkarnation als IgBiF-Sitzungspräsident und Nachfolger seines Vaters, der - zumindest so lange ich denken kann - Glanz in die Bieberer Fassnacht gebracht hatte. Gell Martin, so sehen Comebacks aus. Wir warten drauf.

Aber nicht in allen Fällen hoffen wir auf Comeback-Kids: Herr Glos, ich wünsche Ihnen einen angenehmen Ruhestand. Lassen Sie ihn bitte nicht zum Unruhestand werden!

Link zum letztjährigen Bericht